
Als Informatiker hat man es manchmal echt nicht leicht. Mal abgesehen von den ganzen Vorurteilen, welche die Welt gegen uns hegt, denken alle, dass man den total Durchblick in Sachen PC, Internet, Software,… hat. Leider ist ein Computer und alles was mit ihm zusammenhängt kein Toaster. Der Vergleich hinkt vielleicht ein Wenig, aber was ich damit sagen will ist, dass man Probleme mit dem PC nicht so einfach und unspezifisch umschreiben kann, wie die Probleme mit einem Toaster. Mit einem “Mein Toast ist viel zu dunkel!” kann man die Fehlerquelle schnell ausfindig machen. Mit einem “Mein Internet geht nicht!” hingegen kann man genauso viel anfangen wie mit einer Dose Tomaten ohne Dosenöffner. Irgendwie klappt es schon, aber es dauert ewig und die Gefahr, dass jemand verletzt wird, sind hoch.
Ihr dürft mich jetzt nicht falsch verstehen. Ich helfe gerne (auch bei Nicht-PC-Problemen) und natürlich hat man ein gewisses Fachwissen erworben. Allerdings hilft einem dieses Wissen überhaupt nicht, wenn man mit Problemen und Antworten wie im obigen Comic konfrontiert wird. Also seid uns nicht böse, wenn wir manchmal gereizt oder bockig sind. Es ist einfach sehr oft verdammt hart den Leuten zu helfen, wenn sie selbst nicht allzu viel Wissen über Computer haben.
Aber keine Sorge. Es ist gibt kein Grund sich wegen Unwissenheit zu schämen. Mit den Leuten, die nichts wissen, kann man noch irgendwie arbeiten. Jedoch mit den Leuten, die denken sie haben Ahnung… Sagen wir es mal so, Halbwissen ist sehr gefährlich. Das musste ich erst gestern wieder auf feststellen.
Nachdem ich den ganzen Nachmittag (Das Vorurteil, dass Informatiker erst mittags aufstehen mag stimmen. Aber nur am Wochenende!!!) am Seepark war, um “Rocket Sock” (ein sehr altes Freizeitspiel – auf der Verpackung stand der Preis noch in DM) zu spielen und, dank eines Kommilitonen, mich erneut auf der Slackline beweisen konnte, war ich abends bei meinem Onkel zum Grillen eingeladen. Als ich dort ankam, saßen mein Onkel und mein Dad auf der Terrasse an einem Notebook. Sie brachten gerade Vista auf den neusten Stand. Das Update stoppte bei 35% und lies sich auch nach erneutem hochfahren nicht vervollständigen.
Panisches Weghören meinerseits. Bloß nicht in ein Gespräch über Computer verwickeln lassen. Zumindest nicht mit meinem Dad.
Zu Spät. Mein Onkel begann mich mit Fragen zu löchern warum “das nicht geht”. Schulterzucken meinerseits. Fehler meinerseits. Mein Dad brachte sich in das Gespräch: “Was lernt ihr denn an der Uni?” Natürlich wie man Vista updatet, Dad…
Vor etwa einer Woche hatte ich mit meinen Dad eine Diskussion darüber, ob man bei dem warmen Wetter den PC nicht ausschalten muss. Die Festplatte darf immerhin nicht heißer als 20°C werden! Google ist da zwar anderer Meinung. Aber was weiß schon Google.
Diese Gelegenheit nutze meine Dad natürlich um meine Unwissenheit in Sachen Computer zu unterstreichen. Ich blieb ruhig und genoss die Sonne.
Gerade als ich dachte “Jetzt ist es endlich vorbei.”, griff mein Dad ein neues Thema auf: IPs. Er wollte meinem Onkel weiß machen, dass jedes Mal wenn er sein Notebook anmacht das eine neue IP hat. Stimmt ja auch soweit. Aber nur im internen Netzwerk nicht die “Internet-IP”.
Ich schüttelte den Kopf. Fehler meinerseits. Ich war wieder im Gespräch. Auch diesmal wollte ich meinem Dad in seinem Glauben lassen. Hauptsache ich hab endlich Ruhe. Diesmal lies mein Vater das Thema nicht auf sich beruhen. Ich musste mit ihm ins Haus kommen und an den PC, der Tochter meines Onkel. Die hat sich sehr über den Besuch gefreut.
Mein Dad setzte sich also vor den PC und startete ihn neu. Die “alte” IP hatte er sich auf einem Zettel notiert. Nachdem hochfahren ging er wieder selbstsicher auf “wasistmeinteip.de” und BÄM!!! Die IP war die Selbe. Oh, welch ein Wunder. Ich bin dann wieder raus. Schließlich wollten wir grillen und ich hatte Hunger. Mein Dad kam dann 30 Minuten später. Er hatte endlich aufgegeben.
Wie ich schon sagte: gefährliches Halbwissen.
Normalerweise würde ich mich mir wegen so einer Kleinigkeit nicht die Mühe machen einen Blog-Eintrag zu verfassen. Aber seit diesem Ereignis scheint mich mein Informatiker-Dasein zu verfolgen.
Heute Morgen aufgestanden und xkcd aufgerufen (ein bisschen Nerdheit muss einfach sein!):

Ein paar Stunden später erhalte ich eine SMS:
“Internet geht nicht. Ist es normal, dass da: Ip: keine IP-Adresse steht?” Nein, ist es nicht. Da ich durch die kurze SMS nicht auf den genauen Fehler schließen konnte, habe ich einfach zurückgeschrieben, dass sie dem Router kurz den Strom nehmen soll. 5 Minuten später kam sie online und bedankte sich. Der Computer ist eben doch nur ein Toaster…
Wieder ein paar Stunden später:
“hey seb hast du zufällig nen Programm um passwort geschützte ZIPs aufzukriegen?” An alle Leser: Ich bin KEIN … ich wiederhole … KEIN Hacker. Ich bin Informatiker!
Ich liebe es
Mal sehen wie’s weitergeht.
So long,
Seb








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Ich dachte halt, da du sonst mit so viel Gangster Dingen zu tun hast (siehe alleine schon den vielen HipHop) hast du vielleicht so ein Programm!
Mein Router D-Link G664 forwardet nicht den Port 9100. Was soll ich tun?
Aber irgendwie muss man die “kleinen Dummchen”(soll sich liebevoll anhören) doch auch in Schutz nehmen.
Meist studiert man ja Informatik wegen dem Interesse an PCs – gut man findet sehr schnell heraus, dass man meist realitätsfremde Dinge lernt. Aber das Grundinteresse an PCs bleibt erhalten.
Ich denke gerade bei Personen die sich dazu entschliessen Informatik zu studieren ist der zeitanteil den sie am PC verbringen höher als z.b. bei Sportstudenten. Gerade dadurch stolpert man als Informatiker öfer über Dinge, die man zwar nicht braucht, sich jedoch dennoch merkt.
So ist es oft der Fall dass ich Webseiten kenne, von denen der Großteil der Leute keine Ahnung haben.
So denke ich ab und an nützlicher als Google, da ich bereits selbst solch eine Recherche gemacht habe.
Da lohnt es sich doch als “Neuling” gleich einen profi zu fragen.
Ich denke ähnlich wie Simon: Sicher gehts in der Informatik nicht um den Computer, aber der Maler muss sich ja auch mit Pinseln und Walzen auskennen wenn er irgendwas anmalen oder lackieren will.
Hm. Aber im Gegensatz zum Maler sitzen wir nicht den ganzen Tag da und streichen, sondern überlegen uns wie man mit den Hilfsmitteln, die wir haben, am Effektivsten und Sichersten die Wand voll bekommen.
…sozusagen.
Dijkstra hat mal gesagt:
“Computer science is no more about computers than astronomy is about telescopes.”
Habe zu dem Thema ja auch schon vieles gesagt. Das für die Fehlerdiagnose benötigte Wissen ist nunmal im Kollektiv der Informatiker vorhanden, da sich in dem Studiengang, wie Simon oben schon schreibt, Leute sammeln, die sich für PCs interessieren.
Während jemand anders vielleicht auch schonmal ein bestimmtes Problem hatte, es aber nie lösen konnte und daher auch keine Antwort hat, hat der Informatiker sein Problem mit Hilfe des Kollektivwissens gelöst, und die Lösung ist eventuell noch verfügbar.
Im Psychologiestudium lernt man auch nicht, mit Menschen umzugehen. Aber es sind viele da, die sich dafür interessieren. Und man lernt auch voneinander, nicht nur aus dem Vorlesungsstoff.
Ah, kenne ich. Besonders dumm ist dieses Phänomen, wenn man in einer Firma arbeitet, die nur aus nicht-Computer-Typen besteht. Irgendwo bei Dilbert gab es 2005 auch mal einen Comic, der sich mit dem Thema “Do you want to fix my PC” beschäftigte, in dem Dilbert antwortete “klar, wenn du meine Dusche sauber machst”. Es ist wirklich erstaunlich, warum die PC-Hilfe auf der Ebene läuft; niemand würde doch von seinen Gästen erwarten, dass sie Glühbirnen auswechseln oder eben Duschen säubern… selbst wenn sie das könnten.