Es ist schon komisch. In ein paar Stunden werde ich 25. Habe ich wirklich schon so viel Zeit auf diesem Planeten verbracht? Kommt mir gar nicht so vor.
Meine Erinnerungen reichen kaum an die Zeit vor meinem 16. Geburtstag zurück. Vielleicht liegt es daran, dass ich ein Gedächtnis wie ein Goldfisch habe. Vielleicht bin ich aber auch mittlerweile einfach zu alt um mich noch soweit zurückzuerinnern.

Wenn ich die letzten Jahre oder vielmehr das letzte Jahrzehnt zurückblicke, bin ich fast schon ein Wenig stolz auf meine Vergangenheit. Irgendwie habe ich es geschafft von dem kleinen, braven und ein wenig unbeholfenen Jungen mich zu einem mehr oder weniger Erwachsenen zu mausern, der Spaß an seinem Studium hat und sein Leben in vollen Zügen genießt.
Aber fangen wir doch von vorne an:
Mit 16 Lenzen habe ich fröhlich in den Tag hineingelebt. Bis heute weiß ich nicht wie ich es geschafft habe ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Freizeit, Hobby und Schule hinzubekommen. Ein Teil, welcher dazu beitrug, war sicherlich, dass mir die Realschule ziemlich leicht viel. Hausaufgaben habe ich zwar nie erledigt, am Unterricht interessiert war ich (mit Ausnahme von Mathe) auch nicht, trotzdem hielt ich meine Noten mit wenig Aufwand auf einem akzeptablen Level. Immerhin wollte ich später mein Abitur machen.
Sobald die Schule aus war, habe ich meine Zeit mit zwei Dingen verbracht: Tanzen und feiern.
Vor Allem am Turniertanzen hatte ich, zur Verwunderung vieler, sehr viel Freude. Als ich noch jünger gewesen bin, habe ich mich oft geschämt. Immerhin ist tanzen ja „schwul“. Vermutlich waren es auch die üblichen Unsicherheiten, die mit der Pubertät einhergehen.
Die Mädchen fanden es natürlich super, dass ich tanze. Warum finden das Frauen eigentlich so toll? Denken sie, weil ein Mann tanzt hat er eine sensible Seite? Eventuell eines von vielen Hirngespinsten der Frauenwelt.
Im Gegensatz zu den Mädels habe ich mich nicht so sehr dafür Interessiert was sie so tun. Ich habe mich eigentlich gar nicht für Frauen, Beziehungen und Liebe interessiert. Was ich in den Tanzstunden an Frauen abbekommen habe, hat mir gereicht. Sowas muss ich mir nicht noch mit nach Hause nehmen. Schließlich war das Verhältnis zwischen meiner Tanzpartnerin und mir fast schon eine Beziehung. Natürlich auf rein professioneller und freundschaftlicher Ebene.
Sobald die Schule aus war und ich mein (fast) tägliches Tanztraining absolviert hatte, ging es ab zu meiner Clique. Im Keller eines Freundes gab es immer genug zu trinken. Sandwiches durften natürlich auch nicht fehlen.
Erst als ich von meinen Freunden schon vormittags mit einem breiten Grinsen begrüßt wurde, welches nicht ausschließlich auf meine Anwesenheit zurückzuführen war, und nachmittags breit in der Ecke rumliegen angesagt war, distanzierte ich mich langsam von der Gruppe.
Zu dieser Zeit hatten wir unseren Realschulabschluss in der Tasche und ich ging auf ein (informations-)technisches Gymnasium.
Zwar war die Schulform neu und etwas unstrukturiert, aber die Lehrer und meine Schulkameraden waren einfach Klasse. Den Kontakt zu meiner Realschulclique verlor ich größtenteils. Nur mit ein paar Wenigen pflegte ich noch Kontakt.
Durch die Entdeckung des Internets und einschlägigen „Star Wars“-Foren lernte ich Leute in ganz Deutschland kennen. Wochenlang verbrachte ich Zeit im Ruhrpott, um meine neugewonnen Freunde zu besuchen. Ich fühlte mich erwachsen, da meine neuen Bekanntschaften im Schnitt weitausälter waren als ich und ich ganz allein durch Deutschland reiste.
Nachdem Abitur absolvierte ich meinen Zivi in der Tumorbiologie Freiburg. Meine Tante arbeitete dort und hatte mir zu der Stelle verholfen.
Anfangs war ich nicht wirklich von dem Job überzeugt. Doch im Laufe der Zeit fand ich Gefallen an der Arbeit. Das Leben war einfach. Ich konnte sorglos durch den Tag schlendern und „arbeiten“. Es war perfekt.
Eigentlich wollte ich den Zivi dazu nutzen mir Gedanken über meinen weiteren Werdegang zu machen. Aber wie soll man denn zwischen dem ganzen arbeiten und feiern an Schule denken? Im Frühjahr 2005 entschied ich mich dann langweiliger Weise Informatik zu studieren.
Schließlich hatte ich in der Oberstufe einen riesen Spaß. Also würde das mit dem Studium schon klappen.

Döööööööd. Falschgedacht.
Die ersten drei Semester waren die Hölle. Mal davon abgesehen, dass ich im ersten Semester mein Hirn reaktivieren musste, arbeitete ich noch nebenher weiterhin in der Klinik. Teilweise mag es an meinem Nebenjob gelegen haben, aber hauptsächlich fiel mir das Studieren schwer weil ich absolut keinen Bock hatte. Ich hatte keinerlei Interesse an dem Fach. Am Ende des dritten oder vierten Semesters war ich sogar kurz davor mich, zusammen mit einem Kommilitonen, umzuschreiben. Ich hatte Informatik sowas von satt.
Glücklicherweise war der Weg zum Rektorat zu weit. Traurig, aber war.
Erst in den letzten 2 Jahren hat es irgendwie „klick“ gemacht. Plötzlich hatte ich Spaß am Studieren. Ich bin selbst überrascht, dass sich kurz vor meinem Bachelorabschluss doch noch alles zum Guten gewendet hat.
Ich habe sogar angefangen an der Uni zu arbeiten! „Forschung“ war am Anfang meines Studiums etwas Undenkbares für mich. Viel zu langweilig. Mittlerweile bin ich froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe.
Mit 16 hätte ich mir niemals vorstellen können, was ich alles erreichen kann, wenn ich mich nur zusammenreiße. Ich liebe mein Leben. Es könnte kaum besser sein.
Nun aber genug erzählt. Mehr gibt’s nur wenn man mich auf einen Milchkaffee einlädt. Ich möchte die etwas lang gewordene Anekdote über mich mit folgendem Satz abschließen:
Promise me you’ll always remember: You’re braver than you believe, and stronger than you seem, and smarter than you think. – Christopher Robin to Pooh









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schön geschrieben
Alles Gute Sebbi und geh weiterhin so entspannt und lustig durchs leben wie bisher!
Grüße,
Michi
Schöner Post. Super, dass du dich gegen “ich poste erst wieder bei besserem Design” durchgesetzt hast. Obwohl wir uns heute Abend noch sehen, gratulier ich dir auch hier schonmal
Hast du dich eigentlich vor oder nach der “Zeit-Psychologie-Coffee to show” Klassifikation von Männern für Milchkaffee entschieden, oder hinterher?
Und nein, Frauen denken nicht, dass tanzende Männer eine sensible Seite haben. Sie tanzen nur einfach gerne und freuen sich, wenn sie jemanden zum Tanzen haben. In Zeiten wie diesen, wenn tanzende Männer eher mau sind, kann mann sich von der Menge abheben nur durchs Tanzen, auch ohne eine sensible Seite zu beweisen.
@Hanna: vor natürlich. Zufälligerweise hat mich Sep ein paar Tage zuvor gefragt.
Hi Sebbi!
Netter Artikel, erstaunlicherweise finde ich einen Teil meiner Selbst in einigen Zeilen wieder.
Freunde, die auf der Couch abhängen und planlos grinsen, der weite Weg zum Rektorat usw…
Solltest Du mal Zeit und Lust auf eine gepflegte Runde MtG haben, einfach melden.
Gru0 Felix
Hi Felix,
lange nichts voneinander gehört!
Das gute, alte MtG. Ich spiele momentan nicht mehr. Keine Zeit. Aber können wir gerne mal in Angriff nehmen.