Late Registration

So, mal wieder ein Post aus meinem alten Blog.

Diesmal ein Posting, welches ich im Delirium um 4 oder 5 Uhr morgens geschrieben hab. also nicht wundern ;)


Ich sollte mich schlafen legen, denn morgen muss ich eine SeminarStunde mitgestalten. Aber ich weiß, wenn ich mich jetzt hinlege, kann ich nich schlafen. Zwar hatte ich schon ein bisschen Zeit meine Gedanken zu ordnen, aber die Ordnung kommt immernoch einem Wühltisch bei Karstadt gleich.

Deswegen weiß ich wahrscheinlich auch nicht wo ich anfangen soll. Vielleicht ist es das Beste die Heimfahrt revue passieren zu lassen…
Nachdem ich wusste, dass ich viel zu müde bin, um den selben Weg zurück zu fahren – was unter anderem auch daran liegt, dass ich kurzzeitig von dem von Google geplanten Weg abgekommen bin und mit mehr Glück als Verstand doch noch mein Ziel erreicht hab – entschloss ich mich einfach den “Freiburg”-Schildern zu folgen. Einfach und simpel. Stupides entlangfahren, ohne Gedanken oder Konzentration darauf verwenden zu müssen was ich eigentlich gerade tue.

Diese Woche hab ich ein Mädchen getroffen und irgendwie sind seither meine Gewohnheiten komplett aus der Bahn geworfen. Klingt komisch. Ist aber so.
Ich halte mich für einen sehr nachdenklichen Menschen. Wahrscheinlich denke ich sogar zu viel nach, sehe deswegen auch oft abwesend aus während mir gerade jemand etwas erklärt und bin etwas verwirrt. Aber normalerweise denke ich nicht sehr lange über eine bestimmte Sache nach. Meine Gedanken ziehen von Nichtigkeit zu Nichtigkeit. Ohne bestimmtes Ziel.

Zusammen mit meinen Gewohnheiten ist mein Weltbild ins Schwanken gekommen.
Ich kann mich nicht mehr daran entsinnen, wann das letzte Mal jemand mich dermaßen aus der Bahn geworfen hat. Abgesehen natürlich von Alkohol und Drogen.
Die Bahn von Alkohol und Drogen kann man aber begradigen. Mit den Jahren weiß man, wann man aufhören sollte zu trinken – zumindest meistens. Alkohol begegnet einem ja auch ständig… wohl oder übel.
Frauen begegnen einem zwar auch oft. Aber im Gegensatz zu Alkohol weiß man doch nicht was einem am Boden erwartet. Weitere philosophische Ausschweifungen spare ich mir jetzt mal.

Immer wenn ich denke: Ok, die Beine sind wieder auf dem Boden. Mein “altes Bewusstsein” ist wieder hergestellt. Erwischt es mich erneut, kalt.
Als ich Ende letzten Jahres mit dem Mädchen ein bisschen gechattet hab, war es so wie immer. Man lernt jemanden Neuen kennen. Man unterhält sich.
Im meinem Fall, passiert es dann oft oder fast immer – manche würden wahrscheinlich sogar sagen immer – dass mich mein Gegenüber sympathisch findet, sich mit mir anfreundet, mir alle möglichen Dinge über sich erzählt und wir Freunde werden. Ich halte mich nicht für einen besonders interessanten Menschen. Alle Menschen sind interessant. Man muss sich nur auf sie einlassen.
Denn noch scheine ich etwas zu haben, weswegen sich die Menschen sehr schnell “an mich gewöhnen” und mit oft sehr intimen Details auspacken. Vielleicht irre ich mich auch, wer weiß das schon. Ich weiß es jedenfalls nicht und ich kann auch nur meine subjektive Meinung dazu abgeben. Aber habt ihr schonmal einer Frau, die ihr eben erst kennen gelernt habt, auf die Frage: “Wie findest du mich?” mit “etwas tussig” geantwortet? Ich schon. Ich habe weder eine gescheutert bekommen noch wurde ich angeschwiegen. Nein im Gegenteil. Wir haben uns angestrengt auf der Heimfahrt unterhalten. Manchmal bin ich zu ehrlich…

Aber ich weiche vom Thema ab. Falls es sowas überhaupt gibt.
Jedenfalls. Früher war ich mir nicht bewusst, wie ich auf Leute wirke. Heute bin ich es und wünschte ich wüsste es nicht. Viele würden sich wahrscheinlich sogar darüber freuen, so “leicht” Kontakte knüpfen zu können. Leider musste ich erst diese Woche feststellen, dass es auch ein sehr großes Hinderniss sein kein, wenn Leute einen immer direkt sympathisch finden und wild losplappern (im positiven Sinne plappern).

Ich habe mich mit diesem Mädchen am Mittwoch Abend das erste mal getroffen. Keine Tastatur kein staubiger Bildschirm im Weg.
Das Beste am Internet, zumindest meiner Meinung nach, ist immernoch, dass viele Vorurteile durch Aussehen wegfallen. Andererseits stört es mich oft, dass die non-verbale Kommunikation fehlt. Das ist doch die Essenz von Unterhaltungen, oder? Ohne die Reaktionen zu betrachten, macht es nur halb soviel Spaß. Außerdem weiß man nie woran man ist.
Das Mädchen war mir irgendwie ans Herz gewachsen. Ich kannte sie nicht wirklich und das hat sich wahrscheinlich noch nicht geändert. Aber durch den Mittwoch Abend hat sich, zumindest für mich ein bisschen was verändert.
Ich fand eine hübsche, süße, intelligente, gewitzte und selbstbewusste Frau am Tisch mit mir bei einem Becks und einem KiBa. Vielleicht nichts besonderes. Doch komischerweise und zu meinem eigenen Erstaunen, fand ich sie doch mehr sehr sympathisch.

Verknalle ich mich da gerade?
Neeeeeeeee. Ich nicht. Ich hab genug gesehen von dieser Liebe. Ich brauche keinen Menschen an mich ranzulassen. Ich bin zufrieden so wie alles läuft. Aber wahrscheinlich hat eine Freundin von mir Recht behalten und ich bin nur zu feige, um mich zu verlieben.

Jedenfalls war es ein sehr schöner wenn auch kurzer Abend. Ich habe mich immer wieder dabei erwischt, wie ich die Frau mir gegenüber ansgesehen habe und für einige Sekunden meine zerstreuten Gedanken angehalten haben, um sie mit einem “wow” kommentierten.

Ich habe mit einer Freundin vor dem Treffen eine Wette abgeschlossen bzw. sie war der Meinung, dass es ein “Date” ist. Ich war anderer Meinung.
Dummerweise weiß ich bis heute nicht wer von uns beiden nun den Amaretto Sour bekommt. Aber für mich war es kein Date. Es war eher ein: Mal sehen mit wem ich da eigentlich die ganze Zeit chatte. Sehr wahrscheinlich war es für sie das Gleiche.

Zwei Tage später haben wir uns dann wieder getroffen. Aber nicht zu zweit. Sondern mit ein paar Freunden von ihr. Vielleicht etwas wirr und komisch, dass ich einfach so zugesagt habe, aber ich hatte an dem Tag eh keine Lust zu Hause zu sitzen und da kam mir das gerade recht.
Ich wusste auch nicht, wer oder wieviele Freunde kommen. Erst kurz vorher hab ich erfahren, dass es ein Pärchen ist.
Der erste naive Gedanke ist natürlich. Oha, wieso ein Pärchen. Soll ich beurteilt werden? Normalerweise interessiert mich das nen Feuchten. Aber diesmal irgendwie nicht.
Ich mache mir normalerweise keine Gedanken darüber, ob mich jemand mag oder nicht. Doch an diesem Abend schon.
Ich kam mir irgendwie komisch vor. Unnormal. Unnatürlich und vielleicht auch ein bisschen ängstlich. Eiggenschaften, die nicht gerade treffend für mich sind – außer vielleicht unnormal (gibt es das Wort?).

Der Abend war dementsprechend aus meiner Sicht ruppig, unangenehm und unreal. Er endete damit dass ich mich selbst ein bisschen hasste. Nicht unbedingt, weil ich mich vielleicht wirklich verknallt hatte, sondern weil ich mich in meinen Augen wie ein Vollidiot benommen habe. Ich hasse es, wenn Leute zwanghaft versuchen gut vor anderen auszusehen. Denn mir selbst, wenn ich solche Leute sehe, ist es höchst unangenehm.
Wieso sich verstellen? Entweder man wir akzeptiert oder nicht. Wen interessiert’s?
Mich jedenfalls normalerweise nicht. Wahrscheinlich ist das auch einer der Gründe, warum ich so auf Leute wirke wie ich wirke. Es ist egal, was Leute über mich denken.

Degensprechend war meine Laune auch am Samstag. Ich hab mich wie eine schwangere Frau gefühlt. In einem Moment ging es mir super. Im anderen hätte ich mich am Liebsten übergeben. Das Einzige was mich dann irgendwie gerettet hat, war ein Gespräch mit zwei sehr guten Freunden von denen einer sogar bereit war mich am Abend zu begleiten.
Wohin? In eine Disko. Wieso? Es war schon eine Weile mit dem Mädchen abgemacht, dass wir am Samstag Abend zusammen in die Disko gehen (mit ein paar Freundinnen von ihr).

Ich weiß immer noch nicht genau wieso. Wahrscheinlich weil ich mich immernoch hasste für den Vorabend. Aber ich musste mich einfach zulaufen lassen. Da wir uns aber erst um 23.30 Uhr trafen und die Damen direkt in die Disko wollten und DiskoBier kostspielig ist, musste ich mich also schon vorher mit Alkohol versorgen.
Guter ehrlicher Alkohol. Man trinkt ihn und weiß was passiert. Denkt man zumindest. Bis man soviel getrunken hat, dass man betrunken ist und feststellt, dass das eine sehr sehr dumme Idee war.

Glücklicherweise und auch zu meiner Überraschung war ich aber bis wir in der Stadt und am Treffpunkt waren, wieder ziemlich klar.
Der Abend war schön und lustig. Ich war ich und der Schalter mit der Beschriftung “Gefühle” stand auf “aus”. So wie es in meinem verdorbenden Weltbild am Besten ist.

Doch heute (Sonntag Morgen) bin ich aufgewacht und alles war beim Alten. Was in meinem Fall hieß, ich weiß immer noch nicht genau, was ich für das Mädchen empfinde, ob es “die Mühe wert ist” und ob ich das wirklich will. Ich wusste nur eins: Ich hab sie vermisst.
Man könnte jetzt sagen, ja dann ist die Sache ja klar. Wenn man jemanden vermisst, dann ist man halt in den-/diejenige verknallt/-liebt.
Aber wäre das nicht zu einfach? Ich vermisse auch meine Zeit in der Oberstufe, aber deswegen Liebe ich es nicht in die Schule zu gehen.

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